Wie strapaziert Ihr Haar ist, lässt sich besser einschätzen, wenn Sie dieselbe Strähne vom Ansatz bis zu den Spitzen vergleichen. Wo fühlt sie sich rau an? Wo bleiben Ihre Finger hängen oder lässt sich das Haar schwerer entwirren? Geschmeidige Stellen brauchen vor allem einen schonenden Umgang. An raueren Stellen lohnt es sich, genauer auf Bürsten, Reibung und Hitze zu achten. Lassen sich die Spitzen auch mit sanften Handgriffen schlecht frisieren, sprechen Sie beim Friseur über einen Schnitt. Nicht jede Partie braucht dieselbe Pflege.
Warum die Spitzen oft stärker strapaziert sind
Der sichtbare Teil des Haares entsteht im Haarfollikel. Nahe der Kopfhaut ist das Haar jünger als an der Spitze. Beim Wachsen wandern die bereits vorhandenen Abschnitte weiter vom Ansatz weg, erneuern sich aber nicht.
Die Spitzen haben deshalb mehr Haarwäschen und mehr Kontakt mit Kleidung hinter sich. Trocknen und Bürsten beanspruchen sie ebenfalls über längere Zeit. Je nachdem, wie Sie Ihr Haar bisher behandelt haben, kommen Färbungen, Blondierungen oder Hitzestyling hinzu. Die Abnutzung kann sich nach und nach ansammeln. Es muss also nicht eine einzelne besonders schädigende Behandlung gewesen sein.
Mit der Zeit kann die Schuppenschicht, die schützende äußere Hülle des Haares, unregelmäßiger werden. Die Haarfasern gleiten dann weniger leicht aneinander vorbei. Das Haar fühlt sich womöglich rauer an, verhakt sich häufiger oder glänzt ungleichmäßig. Die American Academy of Dermatology weist darauf hin, dass Stylinggewohnheiten das Haar schädigen können und eine geschädigte Haarfaser empfindlicher wird.
Trotzdem sind die Spitzen nicht immer am stärksten strapaziert. Gut geschonte Haarenden können geschmeidig bleiben, während ein jüngerer Abschnitt stark beansprucht wurde. Das Alter hilft Ihnen, Ihre Beobachtungen einzuordnen. Schauen und fühlen sollten Sie dennoch an jeder Stelle.
So vergleichen Sie die einzelnen Haarpartien
Sanft fühlen, statt an den Haaren zu ziehen
Betrachten Sie Ihr trockenes, sanft entwirrtes Haar bei diffusem Licht. Nehmen Sie eine gut erreichbare Strähne und fühlen Sie die einzelnen Abschnitte mit den Fingern, ohne gegen die Wuchsrichtung zu reiben. Vergleichen Sie auch eine Strähne im Nacken mit einer aus dem Deckhaar: Beide können im Alltag unterschiedlich beansprucht werden.
Notieren Sie, wie sich das Haar anfühlt, wie leicht Ihre Finger hindurchgleiten und wie die Spitzen aussehen. Ziehen Sie nicht an einem Haar, um seine Festigkeit zu prüfen. Das belastet es zusätzlich und liefert keine verlässliche Diagnose.
| Bereich | Was Ihnen auffallen kann | Was Sie tun können |
|---|---|---|
| Nahe am Ansatz | Geschmeidige Haarfaser, relativ gleichmäßige Oberfläche | Schonend behandeln und unnötige Handgriffe vermeiden |
| Längen | Ungleichmäßiges Gefühl, stellenweises Verhaken | Die Stellen beobachten und wiederholte Belastungen reduzieren |
| Spitzen | Raue, gespaltene oder schwer entwirrbare Haarenden | Belastungen begrenzen und bei Bedarf einen Schnitt besprechen |
Was hat die jeweilige Partie schon mitgemacht?
Wenn Sie eine Blondierung herauswachsen lassen, kann sich das jüngere Haar geschmeidig anfühlen. Weiter unten, ab dem früher aufgehellten Bereich, werden die Längen vielleicht rauer. Solche Unterschiede halten sich nicht unbedingt an die Einteilung in Ansatz, Längen und Spitzen. Mehr dazu lesen Sie in unseren Tipps zu den Auswirkungen von Haarfarben auf das Haar.
Auch nie gefärbtes Haar kann unregelmäßige Spitzen haben, wenn die Längen lange erhalten bleiben und häufig mit Hitze gestylt werden. Die natürliche Haarfarbe allein verrät Ihnen also nicht, ob das Haar unbeschädigt ist.
Beim Bürsten und Stylen auf die einzelnen Stellen achten
Sie müssen nicht gleich zu mehr Pflegeprodukten greifen. Oft lohnt sich zuerst ein Blick auf die Handgriffe, mit denen Sie Ihr Haar täglich behandeln.
Wo es noch geschmeidig ist, vermeiden Sie zusätzliche Bürstenstriche oder Durchgänge mit einem Hitzestylinggerät, die Ihre Frisur gar nicht braucht. Beim Entwirren beginnen Sie an den Spitzen und arbeiten sich nach oben vor. Wenn eine Stelle verhakt ist, ziehen Sie nicht mit Kraft hindurch. Drücken Sie nach dem Waschen das Wasser mit dem Handtuch aus, statt das Haar trocken zu rubbeln.
Fühlt sich ein Abschnitt besonders rau an, versuchen Sie nicht, ihn mit mehr Hitze glatt zu bekommen. Zeigen Sie beim Friseur lieber, ab welcher Stelle sich die Strähne anders anfühlt oder beim Frisieren hängen bleibt.
Wenn Sie ein Haaröl verwenden möchten, finden Sie in unserem Leitfaden zu Haarölen für verschiedene Haartypen Hilfe bei der Auswahl. Tragen Sie deshalb aber nicht immer mehr Schichten auf. Vielleicht interessiert Sie auch die Bedeutung des pH-Werts in der Haarpflege. Dabei geht es um einen weiteren Aspekt der Formulierung, nicht um das Alter der Haarfaser.
Unterstützung beim Styling der Längen
Laut Hersteller hilft Perfektionierender Haar-Nebel, das Haar vor Hitze zu schützen, Frizz zu bändigen und die Auswirkungen von Luftfeuchtigkeit auf das Haar zu begrenzen. Das Produkt kann Sie beim Styling der Längen unterstützen. Eine ältere Haarfaser wird dadurch allerdings nicht wieder neu.
Halten Sie sich bei der Anwendung an die Vorgaben: Sprühen Sie das Produkt nach dem Waschen und dem Ausdrücken mit einem Handtuch großzügig Strähne für Strähne auf das feuchte Haar. Verteilen Sie es mit den Fingern oder einer Entwirrbürste. Anschließend föhnen Sie mit warmer Luft und bürsten das Haar dabei sanft. Die Wärme ist zur Aktivierung erforderlich.
Für das beste Ergebnis empfiehlt der Hersteller, vor dem Föhnen kein weiteres Stylingprodukt zu verwenden. Wie viel Zeit Sie zwischen den Anwendungen lassen, richtet sich nach Ihren Wünschen und Ihrer Haarbeschaffenheit.
Häufige Fragen
Beweist ein glänzender Ansatz, dass die Längen unbeschädigt sind?
Nein. Das jüngere Haar am Ansatz hat nicht dasselbe mitgemacht wie die älteren Längen. Vergleichen Sie die Bereiche einzeln. Der Glanz am Ansatz sagt Ihnen nicht, wie es um das gesamte Haar steht.
Sind Abnutzung und Porosität dasselbe?
Nein. Mit Abnutzung sind Veränderungen gemeint, die durch angesammelte Belastungen entstehen. Bei der Porosität geht es unter anderem darum, wie die Haarfaser Wasser aufnimmt und abgibt. Nur weil sich Ihr Haar rau anfühlt, lässt sich seine Porosität noch nicht bestimmen.
Wann sollte man einen Schnitt besprechen?
Wenn die Spitzen trotz sanfter Handgriffe gespalten bleiben, sich stark verhaken oder das Entwirren erschweren. Bitten Sie beim Friseur darum, genau zu schauen, welcher Bereich betroffen ist. Ob und wie viel geschnitten wird, hängt vom Zustand dieser Partie und Ihrer gewünschten Haarlänge ab. Ein fester Zeitplan hilft dabei weniger als ein genauer Blick auf Ihre Spitzen.







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