Starres, raues oder brüchiges Haar ist kein Beweis für „zu viele Proteine“. Fühlt sich Ihr Haar plötzlich anders an, lohnt sich ein Blick auf Ihre Pflege. Am Haargefühl allein können Sie nicht erkennen, welcher Inhaltsstoff dahintersteckt. Prüfen Sie, ob Ihre Produkte Proteine enthalten und seit wann sich Ihr Haar verändert hat. Dann können Sie Ihre Routine Schritt für Schritt vereinfachen.
Wann lohnt sich ein genauerer Blick auf Proteine?
Ein hartes Haargefühl, weniger Geschmeidigkeit, mehr Knoten oder Haarbruch werden häufig mit einem Proteinüberschuss in Verbindung gebracht. All das kann aber auch andere Ursachen haben. Proteinen lassen sich diese Veränderungen nicht eindeutig zuordnen.
Wurde Ihr Haar nach einer neuen proteinhaltigen Pflege steifer, lohnt es sich, dort anzusetzen. Tritt das Problem mit diesem Produkt wiederholt auf und lässt nach dem Weglassen nach, während Sie sonst nichts ändern, spricht das dafür, dass das Produkt nicht gut zu Ihrem Haar passt. Ein Proteinüberschuss ist damit nicht belegt: Die Rezeptur enthält schließlich auch andere Inhaltsstoffe.
Finden Sie in Ihren Pflegeprodukten keine erkennbaren Proteine oder ließen sich die Längen schon vorher schwer kämmen, ist diese Erklärung weniger plausibel.
Proteine in der INCI-Liste erkennen
Nach diesen Namen können Sie suchen
Schauen Sie auf die Inhaltsstofflisten Ihrer Haarmasken, Conditioner und Leave-in-Produkte. Bezeichnungen wie Hydrolyzed Keratin, Hydrolyzed Wheat Protein, Hydrolyzed Rice Protein oder Hydrolyzed Silk stehen für hydrolysierte Proteine. „Hydrolysiert“ heißt, dass sie in kleinere Bestandteile aufgespalten wurden.
Manche Rezepturen enthalten auch Aminosäuren. Diese sind nicht mit einem vollständigen Protein gleichzusetzen. Und wenn auf der Verpackung „reparierend“, „stärkend“ oder „für geschädigtes Haar“ steht, sagt das noch nicht, ob die Pflege Proteine enthält.
Was Sie auf dem Etikett nicht ablesen können
Die Position eines Inhaltsstoffs verrät nicht seine genaue Konzentration. Der Artikel der Kosmetikverordnung zur Kennzeichnung schreibt grundsätzlich eine absteigende Reihenfolge vor, lässt aber Ausnahmen für niedrige Konzentrationen zu. Eine „Proteindosis“ können Sie aus der INCI-Liste deshalb nicht berechnen.
Auch ein Blick auf einen einzelnen Inhaltsstoff reicht nicht aus, um die Wirkung der Pflege einzuschätzen. Proteine übernehmen in Rezepturen unterschiedliche Aufgaben. Dass ein Produkt ein Protein enthält, bedeutet also nicht automatisch, dass es Ihr Haar steif macht oder ungeeignet ist.
Was könnte sonst dahinterstecken?
Fühlt sich Ihr Haar vor allem nach dem Styling hart an, schauen Sie zuerst auf Produkte, die Halt geben. Ihre festigende Wirkung kann das Haargefühl erklären. Haben Sie gleich mehrere neue Produkte eingeführt, notieren Sie alle – nicht nur die Maske, die als reparierend beworben wird.
Ist die Steifheit nach dem Färben oder Blondieren aufgefallen? Vergleichen Sie den Zeitpunkt der Behandlung mit dem Einsatz Ihrer Pflegeprodukte. Lassen sich die Längen nach wiederholtem Föhnen mit Bürste schwer handhaben, überlegen Sie, wie oft Sie Hitze eingesetzt und wie stark Sie dabei am Haar gezogen oder gebürstet haben.
Mechanische Belastung und Hitze können die Haarfaser schädigen und brüchig machen. Darauf weist auch die American Academy of Dermatology hin. Falls sich Ihr Haar nach einer chemischen Behandlung verändert hat, finden Sie in unserem Artikel über die Auswirkungen von Haarfarben auf das Haar mehr zu dieser möglichen Ursache.
Der pH-Wert von Haarpflegeprodukten spielt ebenfalls eine eigene Rolle. Steht Citric Acid in der Inhaltsstoffliste, können Sie daraus allerdings nicht den pH-Wert des fertigen Produkts ableiten. Bitte verwenden Sie keine selbst gemischten sauren Lösungen, um einen vermeintlichen Proteinüberschuss zu „korrigieren“.
Die Routine Schritt für Schritt vereinfachen
Lassen Sie zuerst das kürzlich hinzugekommene Produkt weg, das Sie im Verdacht haben. Ihre gewohnten, gut verträglichen Produkte können Sie weiterverwenden. Achten Sie dabei auf die Hinweise zum Ausspülen. Ein stark reinigendes Shampoo, eine neue Maske und ein Öl gleichzeitig einzuführen, macht die Suche unnötig schwer: Dann wissen Sie hinterher nicht, welche Änderung das Ergebnis beeinflusst hat.
Notieren Sie, welche Produkte Sie verwendet haben, wie sich Ihr Haar nach dem Trocknen anfühlt und wie leicht es sich entwirren lässt. Vergleichen Sie möglichst ähnliche Stylings. Wenn Sie eine proteinhaltige Maske weglassen, dafür aber mehr Gel verwenden, sagt die verbleibende Steifheit wenig über die Maske aus.
Fühlt sich Ihr Haar ohne das Produkt besser an, ist das Grund genug, es nicht mehr zu verwenden. Sie müssen es nicht erneut ausprobieren, wenn Sie damit unzufrieden sind. Ein zusätzliches Öl zum „Ausgleichen der Proteine“ hilft Ihnen bei diesem Test nicht weiter. Unser Leitfaden für Haaröle unterstützt Sie bei der Auswahl einer Pflege – ein Gegenmittel gegen einen Proteinüberschuss finden Sie darin nicht.
Und wie passt der Haarnebel in die Routine?
Die INCI-Liste von Perfektionierender Haar-Nebel enthält kein erkennbares Protein. Aufgeführt sind unter anderem Polysilicone-29, Silicone Quaternium-18 und Glycerin. Der Hersteller beschreibt das Produkt als Hitzeschutzpflege, die Frizz bändigen und Glanz verleihen soll. Als Behandlung gegen einen Proteinüberschuss wird es nicht beschrieben.
Wenn der Haarnebel bereits zu Ihrer Routine gehört, halten Sie sich an die Anleitung: Sprühen Sie ihn großzügig auf das feuchte, handtuchtrockene Haar und verteilen Sie ihn gleichmäßig. Föhnen Sie anschließend mit warmer Luft und bürsten Sie das Haar dabei sanft. Vor dem Trocknen sollten Sie kein anderes Stylingprodukt auftragen. Sie müssen den Haarnebel nicht unbedingt bei jeder Haarwäsche verwenden. Nehmen Sie ihn aber nicht eigens in Ihre Routine auf, um die Vermutung eines Proteinüberschusses zu testen.
Häufige Fragen
Ist der Dehntest mit einem einzelnen Haar zuverlässig?
Mit diesem Test können Sie weder einen Proteinüberschuss feststellen noch ein Gleichgewicht zwischen Proteinen und Feuchtigkeit messen. Ziehen Sie deshalb nicht an Ihren Haaren, um das herauszufinden.
Muss ich alle proteinhaltigen Pflegeprodukte weglassen?
Nein, beginnen Sie mit dem Produkt, das Sie im Verdacht haben. Sie müssen nicht gleich eine ganze Gruppe von Inhaltsstoffen ausschließen. Wie eine Pflege wirkt, hängt von der gesamten Rezeptur und ihrer Anwendung ab.
Wann sollte ich fachlichen Rat einholen?
Wenn Ihr Haar trotz einer schonenderen Routine weiterhin stark bricht, lassen Sie sich dermatologisch beraten. Auch bei ungewöhnlichem Haarausfall, Schmerzen oder Hautverletzungen an der Kopfhaut sollten Sie fachlichen Rat einholen.







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